
Seedbox Entertainment: Kann Frankreich eine eigene Agentur nach K-pop-Vorbild aufbauen?
Mit STARSEED’Z und seiner neuen Academy überträgt Seedbox einige der durch K-pop bekannt gewordenen Ausbildungs- und Produktionsansätze auf Frankreich.
Artikel automatisch aus dem Französischen übersetzt.
Wer an die Idol-Industrie denkt, dem kommen meist zuerst HYBE, SM Entertainment, JYP Entertainment oder YG Entertainment in den Sinn. Mehrere Tausend Kilometer von Seoul entfernt erkundet jedoch ein kleines französisches Unternehmen einen anderen Weg. Sein Name: Seedbox Entertainment.
In der breiten Öffentlichkeit ist das Unternehmen noch kaum bekannt. Beim Aufbau seiner Künstlerinnen und Künstler greift es auf einige der Ansätze zurück, die zum weltweiten Erfolg von K-pop beigetragen haben: Gesangs- und Tanztraining, ein starker Fokus auf Performance, eine markante visuelle Identität und der Aufbau einer Community rund um die Artists. Das bislang sichtbarste Projekt ist STARSEED’Z.
01Eine französische Agentur, inspiriert vom K-pop-System
Seedbox Entertainment wurde in Frankreich mit dem Ziel gegründet, Künstlerinnen und Künstler aufzubauen, die ein internationales Publikum erreichen können. An der Spitze steht Joaquin Julienne, der Produzent hinter STARSEED’Z.
Als direkte Kopie des koreanischen K-pop versteht sich das Projekt allerdings nicht. Die Mitglieder von STARSEED’Z sprechen vielmehr von einer französischen Girlgroup mit internationaler Ausrichtung, inspiriert von Arbeitsweisen aus verschiedenen asiatischen Popindustrien. Zugleich betonen sie, dass sie nach und nach eine eigene Identität finden wollen, die stärker in der französischen Szene verankert ist.
Diese Unterscheidung ist wichtig. K-pop bezeichnet nicht nur einen Sound: Das gesamte Ökosystem verbindet eine vielseitige Ausbildung mit Tanz, Bühnenperformance, visuellen Konzepten und regelmäßiger Content-Produktion. Seedbox versucht, Teile dieses Systems auf ein französisches Unternehmen und europäische Künstlerinnen zu übertragen.
02STARSEED’Z, das erste Projekt von Seedbox
Die Geschichte von STARSEED’Z beginnt im Januar 2023. Joaquin Julienne kontaktiert die späteren Mitglieder, nachdem er sie in den sozialen Medien entdeckt hat. Es folgen mehrere Monate Training, bevor im Sommer das erste Musikvideo gedreht wird.
Am 20. Oktober 2023 debütiert STARSEED’Z offiziell mit ICONIC. Nach mehreren Singles und Besetzungswechseln besteht die Gruppe heute aus vier Mitgliedern: Kalee, Kanya, Léa und Nana.
Ein wichtiger Meilenstein folgt am 7. November 2025 mit RUNWAY, ihrer ersten EP. Sie umfasst sechs Tracks: Fashionably, RUNWAY, Side Eye, I’ll Be There, It’s My Life und It’s My Life (French Version).
Mit diesem Format geht das Projekt über eine bloße Abfolge von Singles hinaus. Die EP schafft ein breiteres Repertoire und macht vor allem das internationale Netzwerk hinter der Produktion sichtbar.
03Zusammenarbeit mit der internationalen Popszene
In den Credits von RUNWAY finden sich unter anderem Charlotte Wilson, Shorelle, Ebenezer, Isa Guerra, Ciara Muscat, Joaquin Julienne und Baptiste Bétrancourt. Mehrere dieser Songwriter und Produzenten haben bereits im internationalen Pop und in der südkoreanischen Musikbranche gearbeitet.
Die ausführlichen Credits zeigen auch, wie die Arbeit aufgeteilt ist: Komposition, Produktion, Arrangement und Tontechnik liegen je nach Song in den Händen unterschiedlicher Beteiligter. Für ein junges, unabhängiges Unternehmen ist die Fähigkeit, externe Kreative einzubinden, ein zentraler Bestandteil des Projekts.
Das allein stellt Seedbox noch nicht auf eine Stufe mit einer koreanischen Agentur. Es zeigt aber, dass sich STARSEED’Z bereits über eine reine Produktion in Eigenregie oder die Arbeit mit nur einem einzigen Kreativteam hinausentwickelt.
04Nicht nur Musik, sondern auch eine Academy
Seedbox baut inzwischen nicht mehr nur STARSEED’Z auf. Das Unternehmen betreibt mittlerweile auch die Seedbox Academy in Ivry-sur-Seine bei Paris.
Dort werden Tanz- und Gesangskurse sowie Workshops angeboten, außerdem Intensivkurse, die sich am Alltag von Trainees orientieren. Zum angekündigten Programm für Oktober 2026 gehört unter anderem ein sechstägiger Intensivkurs mit den südkoreanischen Trainerinnen und Tänzerinnen Sohyun und Solji im Seedbox HQ.
Im öffentlich vorgestellten Programm stehen außerdem Gesangsworkshops mit Morane, die bereits als Vocal Coach in den Credits der Produktionen von STARSEED’Z genannt wird. Die Academy erweitert damit das ursprüngliche Vorhaben: Seedbox will nicht mehr nur eine Gruppe produzieren, sondern beginnt, Strukturen für die Talentsuche, Ausbildung und künstlerische Entwicklung zusammenzuführen.
05Ein kleines Team vor einem anspruchsvollen Modell
Der Vergleich mit den großen koreanischen Agenturen sollte dennoch mit Augenmaß erfolgen. Seedbox arbeitet in deutlich kleinerem Rahmen. Die Mitglieder von STARSEED’Z beschreiben ein kleines Team: Joaquin Julienne übernimmt die kreative Leitung und Produktion, Alexandre Collombier die visuelle Gestaltung und Koproduktion, Morane Chevrat-Lindier das Gesangscoaching und Baptiste Bétrancourt die Produktion und Tontechnik.
Diese Größe ermöglicht eine enge Zusammenarbeit, bringt aber auch wirtschaftliche Herausforderungen mit sich. Songs und Musikvideos zu produzieren, Künstlerinnen zu trainieren, Konzerte zu organisieren, Social-Media-Kanäle zu bespielen und eine Community aufzubauen, kostet Zeit und Geld. Das Modell der großen Agenturen beruht häufig auf hohen Investitionen, die teils lange bevor eine Gruppe profitabel wird getätigt werden.
Seedbox muss die Methoden, von denen es sich inspirieren lässt, deshalb anpassen, statt sie eins zu eins nachbilden zu wollen.
06STARSEED’Z baut seine Bühnenpräsenz Schritt für Schritt aus
Seit ihrem Debüt ist die Gruppe vielfach in Frankreich aufgetreten, unter anderem bei mehreren Ausgaben der Japan Expo. Am 7. Dezember 2025 eröffnete STARSEED’Z außerdem gemeinsam mit dem Tanzkollektiv RISIN’ das Konzert von Big Ocean im Bataclan.
Die Gruppe baut ihre eigene Community auf, die BLOOM’Z, und spielt weiterhin Konzerte. Ein Auftritt ist unter anderem für den 2. Oktober 2026 im Espace Vasarely in Antony geplant. Verglichen mit den Tourneen großer internationaler Gruppen sind das noch kleine Schritte, doch sie verschaffen dem Projekt eine echte Bühnenpräsenz.
07Und STARSEED’Z könnte erst der Anfang sein
Die Entwicklung der Seedbox Academy zeigt, dass sich das Unternehmen nicht mehr auf die Betreuung einer einzigen Gruppe beschränkt. Inzwischen arbeitet es mit Kursteilnehmenden und Trainees, was den Weg für weitere künstlerische Projekte bereiten könnte.
Entscheidend wird sein, die mit STARSEED’Z gesammelten Erfahrungen in ein dauerhaft tragfähiges Modell zu überführen. Eine Girlgroup zu gründen, ist der erste Schritt. Über längere Zeit mehrere Künstlerinnen und Künstler auszubilden, zu finanzieren und an den Start zu bringen, ist eine andere Aufgabe.
08Lässt sich das K-pop-Modell wirklich nach Frankreich übertragen?
Seedbox wirft letztlich eine größere Frage auf: Können die Methoden, die Südkorea zu einer globalen Musikmacht gemacht haben, auch in Europa funktionieren?
Eine exakte Kopie erscheint wenig realistisch. Die Gewohnheiten des Publikums, die Medien, die Musikfinanzierung und die Ausbildungswege unterscheiden sich in Frankreich und Südkorea stark. Die Erfahrungen von STARSEED’Z deuten jedoch auf eine andere Möglichkeit hin: die vielseitige Ausbildung, den hohen Stellenwert der Performance, die gemeinsame Identität und die Nähe zu den Fans aufzugreifen und an den europäischen Markt anzupassen.
Seedbox Entertainment ist nach wie vor ein junges Unternehmen, dessen Erfolg sich erst mit der Zeit messen lassen wird. Mit STARSEED’Z, der Academy, den Trainees und den internationalen Kooperationen entsteht in Frankreich dennoch ein Projekt, wie es bislang nur wenige gibt.
Und wenn ein Teil der nächsten Generation europäischer Girlgroups auch aus Paris käme?
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